Wörtliche Lateinübersetzungen für Schüler


Direkt zum Seiteninhalt

Oratio obliqua

Grammatik

Oratio obliqua

Die
oratio recta (direkte Rede) ist die wörtliche Wiedergabe einer eigenen oder fremden Rede. Eine weitere Möglichkeit, Gesagtes wiederzugeben, stellt die oratio obliqua (wörtl. umgebogene, schräge Rede), die indirekte Rede, dar. Diese ist von Verben des Sagens, Fragens und Begehrens abhängig. Aus der Umformung von oratio recta in oratio obliqua ergeben sich Änderungen im Gebrauch von Person, Tempus und Modus:

1. Pronomina:

Anstelle der Pronomen in der direkten Rede werden in der indirekten Rede die entsprechenden
Reflexivpronomina verwendet, z.B. kann ipse in Bezug auf den Sprechenden gebraucht werden, besonders, wenn dieser von anderen Personen abgehoben werden soll.
Statt
hic und nunc treten bei indirekter Wiedergabe meist ille und tum auf, wobei diese Regelung nicht verbindlich ist.

2. Tempora

Hauptsätze haben als Aussagesätze in der indirekten Rede die Form eines AcI, in dem bei Gleichzeitigkeit der Infinitiv Präsens, bei Vorzeitigkeit der Infinitiv Perfekt und bei Nachzeitigkeit der Infinitiv Futur des Verbs verwendet wird (siehe 3. Modi/ I a).
Bei allen anderen Satztypen, die mit dem Konjunktiv stehen, gilt die
consecutio temporum, die Zeitenfolge für konjunktivische Nebensätze:





Steht im übergeordneten
Satz
und ist der NS
zum Hauptsatz
so verwendet man im
Nebensatz
a) ein Haupttempus,
also
gleichzeitig Konjunktiv Präsens
Präsens, präs. Perfekt,
Futur I und II
vorzeitig Konjunktiv Perfekt
nachzeitig urus- sim, sis...
b) ein Nebentempus
also
gleichzeitig Konjunktiv
Imperfekt
Imperfekt, hist. Perfekt,
Plusquam-
perfekt
vorzeitig Konjunktiv
Plusquam-
perfekt
nachzeitig -urus essem,
esses...

3. Modi

I Hauptsätze:

a) Alle Aussagesätze stehen in der indirekten Rede im AcI. Die Negation wird dabei mit non gebildet:

Beispiel:

direkte Rede:
Ad matrem veni.
Ich bin zur Mutter gekommen.

indirekte Rede:
Marcus locutus est, se ad matrem venisse.
Marcus erzählte, dass er zur Mutter gekommen sei.

b) Alle Aufforderungen werden in der indirekten Rede mit dem Konjunktiv wiedergegeben. Die Negation wird dabei mit ne gebildet.

1. Beispiel:

direkte Rede:
Venias ad me
Du sollst zu mir kommen.

indirekte Rede:
Marcus postulavit, ad se veniret.
Marcus forderte, dass er zu ihm kommen solle.

2. Beispiel:

direkte Rede:
Ne fratrem puniveris!
Du sollst den Bruder nicht bestrafen.

indirekte Rede:
Marcus postulavit ne fratrem puniret.
Marcus forderte, dass er den Bruder nicht bestrafe.


c) Die Fragen in der indirekte Rede treten in den Konjunktiv. Eine Ausnahme hiervon stellen rhetorische Fragen dar.

Beispiel:

direkte Rede:
Quo vadis?
Wohin gehst du?

indirekte Rede:
Petrus rogavit, quo vaderet .
Petrus fragte, wohin er gehe.

II. Nebensätze
Alle Nebensätze stehen im Konjunktiv. Sätze mit relativem Anschluss gelten als Hauptsätze (!).

Beispiel:

direkte Rede:
In Romam veni, ut gladiatores viderem, qui timore affecti sunt.
Ich bin nach Rom gekommen, um die Gladiatoren zu sehen, die von Furcht erfüllt waren.

indirekte Rede:
Marcus dixit, se in Romam venisse, ut gladiatores videret, qui timore affecti essent.
Marcus sagte, dass er nach ROm gekommen sei, um die Gladiatoren zu sehen, die von Furcht erfüllt seien.

4. Wiedergabe der indirekten Rede im Deutschen

Bei Wiedergabe der indirekten Rede im Deutschen stehen die Prädikate im Konjunktiv I. Wenn dieser mit den Indikativformen des Verbs identisch ist, so wird der Konjunktiv II gebraucht.

Home | Übersetzungen | Grammatik | Ludendum est | Aufsätze | Wörterbuch | Metrik | Sprüche | Bildergalerie | Buchtipps | Links | Impressum | Site Map


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü