Hauptmenü
Aufsätze
Catull carmen 3 : Analyse und Interpretation
Das im Hendekasyllabus verfasste 3. carmen Catulls stellt eine Parodie auf die Totenklage dar.
Der Verstorbene ist hier keineswegs ein Mensch von hohem Rang, zu deren Ehren üblicherweise Totenklagen verfasst werden, sondern der "passer", also der Sperling von Catulls "puella".
Bereits zu Beginn des Gedichts fallen Übertreibungen auf, die als humoristisches Element dienen und die Intention des Autors verdeutlichen. So fordert Catull Götter, nämlich Venus und Amor sowie deren Begleiter und alle liebreizenden Menschen durch den Imperativ "Lugete!" dazu auf, an dem Schicksal des Sperlings Anteil zu nehmen und zu trauern.
Im Weiteren schildert Catull die Intensität der Beziehung zwischen "passer" und "puella". Besonders durch seine Wortwahl und einen Vergleich wird deutlich, welche Bedeutung der Vogel für Lesbia hatte. Der Sperling wird beschrieben als "deliciae meae puellae, quem plus illa oculis suis amabat". Lesbia also solle den Vogel mehr als ihre Augen geliebt haben.
Im Folgenden wird der Sperling selbst beschrieben und dies, wie für Totenklagen üblich, auf eine äußerst positive Weise. Seine Fixierung auf die Herrin wird erwähnt und ebenso der angebliche Umstand, dass er dass Mädchen besser gekannt habe, als diese ihre Mutter.
Schließlich finden diese eher humorvollen Darstellungen bei der Beschreibung des Weges in die Unterwelt ihren Höhepunkt: Der "passer" schreitet nun wie ein antiker Held, Herkules kann hier als Beispiel genannt werden, "per iter tenebricosum" durch den Orkus, den Catull mit den Worten "at vobis male sit" verflucht.
Jedoch nicht nur die Unterwelt verflucht Catull, er macht selbst dem Vogel seinen eigenen Tod zum Vorwurf, denn durch "tua (...) opera" seien die Augen des Mädchens nun vom Weinen geschwollen und rot.
Abschließend muss der Leser erkennen, dass dieses Gedicht in der Hauptsache als Parodie angesehen werden kann, jedoch auch ernstere Hintergründe hat. Oberflächlich betrachtet könnte der Tod des Passers das Ende der Liebe zwischen Lesbia und Catull symbolisieren, bei genauerer Betrachtung jedoch scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein. Die Trauer seines Mädchens veranlasst Catull dazu, die Götter anzurufen, die Unterwelt zu verfluchen, ja sogar dem Verstorbenen selbst die Schuld an seinem Tod zu geben. Das Gedicht vom Tod des Sperlings also ist eher eine Liebeserklärung, die die Intensität der Beziehung zwischen Lesbia und Catull deutlich werden lässt.